L-förmige Osteotomie nach Kazanjian

VARAZTAD HOVHANNES KAZANJIAN (1879-1974) entwickelte zwei unterschiedliche Therapieansätze gegen unilaterale Fehlbildungen im Unterkiefer. Neben dem vertikalen Osteotomieverlauf im Unterkiefer mit anschließendem Knochentransplantat zur Überbrückung der Lücke entwickelte er später die als "L-förmige Osteotomie nach Kazanjian" bekannte Methode. Die Art der Knochendurchtrennung verlief L-förmig, wobei die Okklusion außer Acht gelassen werden musste [30]. Die Fixation der entstandenen Knochenfragmente erfolgte an den äußeren Enden durch Draht (Kazanjian, 1936). Erwähnenswert ist hier, dass diese Art der Operationsmethodik bereits von PICHLER durchgeführt wurde. Der entscheidende Unterschied zwischen beiden Operationsmethoden ist allerdings die geschwungene Schnittführung KAZANJIANS im Gegensatz zu PICHLER, der einen rechtwinkligen Schnitt bevorzugte. Der Zugang erfolgte intraoral mit anschließender Präparation der bukkalen Seite des Unterkiefers. Nach der prägnanten L-förmigen Durchtrennung des Knochens schlug er zur späteren Fixierung vor, die Bohrlöcher mit einem "No. 6 dental bur" durchzuführen [31]. Bei seinem operativen Vorgehen versuchte er meist, die Zahnwurzeln zu schonen, was unter anderem durch eine horizontale Ausrichtung der Bohrlöcher in ausreichendem Abstand veranlasst wurde. Erst im Anschluss daran führte er die Osteotomie am Corpus mandibulae durch [31]. Auch wenn gewisse Parallelen zu den Operationsmethoden PICHLERS zu erkennen sind, so liegt das Novum in KAZANJIANS Vorgehen in der postoperativen Versorgung des Patienten. Der so genannte Headgear, der einen gewissen Widerstand gegen die dorsal gerichteten Kräfte der Kaumuskulatur bildet, sollte einem Rezidiv entgegenwirken.

Die "transversal schräge Osteotomie des Ramus ascendens nach Kazanjian" (Abb. 10) stellte einen weiteren Osteotomieansatz dar, welcher bis heute seinen Namen trägt. Bereits vor dessen Publikation im Jahr 1951 [32] hatte GEORG PERTHES [44] die Operation seines Oberarztes HEINRICH SCHLÖSSMANN beschrieben, der den Ramus auf gleiche Weise durchtrennte. Es ist anzunehmen, dass VARAZTAD KAZANJIAN von dem Verfahren SCHLÖSSMANNS jedoch keine Kenntnis hatte, da er dieses in seiner Veröffentlichung nicht erwähnte.