Genioplastik nach Hofer

1942 wurde von OTTO HOFER (1892-1972) die Kinnplastik zur Behandlung der Mikrogenie entwickelt, wobei er zunächst die umgekehrte Progenieoperation nach KOSTECKA (1942) anwendete, deren unvorteilhafte Grubenbildung er jedoch durch eine Genioplastik (Abb. 11) zu umgehen versuchte [23].

Als gängige Indikatoren für solch ein Vorgehen sah er ein fliehendes Kinn bei normaler Zahnstellung an. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass bereits operierte Patienten mit unzureichenden oder nicht zufrieden stellenden Ergebnissen neuerlich behandelt werden konnten. HOFER betonte jedoch auch, dass solch ein Vorgehen über die Formung einer neuen Kinnspitze nicht einfach war. Er wählte einen extraoralen Zugang und ging dann wie folgt vor: "Kinnvorsprung nach Freilegung mit der Säge absetzen, so wie wir dies zur Entnahme eines gestielten Knochenspanes für die Verschiebungsplastik nach PICHLER durchführen" [23]. Nach dieser Methodik (Abb. 12 a, b) war eine Mobilisation von bis zu 1,5 cm möglich. Er verwies zusätzlich auf eine weitere mögliche Kombination mit einer vorher durchgeführten Segmentosteotomie des Alveolarfortsatzes im Unterkiefer; dadurch war es möglich, den Vorschub des Kinns in einem noch höheren Maße auszudehnen.

Aus damaliger Sicht stellte dieses Vorgehen eine echte Innovation auf dem Gebiet der Dysgnathiechirurgie dar, da vor allem ein extraoraler Zugang gewählt wurde. Dieses Verfahren wurde seitdem ständig weiterentwickelt.