Oberkieferosteotomien

Der französische Chirurg RENÉ LE FORT entwickelte insbesondere die operative Behandlung von Mittelgesichtsfrakturen die nach ihm benannten Le-Fort-Frakturen weiter. Grund für die Spezialisierung LE FORTS waren die damals bestehenden wissenschaftlichen Rahmenbedingungen. Einige Autoren hatten bereits im Vorfeld die Anatomie des Gesichtsschädels genauer analysiert, allerdings die Knochen separat und nicht das Mittelgesicht als Ganzes betrachtet [58]. Auch Wunden, welche durch den Gebrauch von Handfeuerwaffen entstanden waren, spielten eine Rolle: LE FORT beschrieb die Verletzungsmuster, die aufgrund der auftreffenden Geschwindigkeit, der Dauer, Masse und Richtung der auftreffenden Kraft entstehen [37].

Die darauf basierende Klassifikation der Oberkieferfrakturen ist eine der weitest verbreiteten, mit der typische Knochenbruchlinien in transversaler Richtung oberhalb der Zahnreihen beschrieben werden konnten [37]. Anhand seiner Untersuchungen fand LE FORT drei Standardmuster für diverse  Oberkieferfrakturen, die den Hauptanteil von Knochenbrüchen ausmachten; diese sind die horizontale Le-Fort-I-Fraktur, die pyramidale Le-Fort-II-Fraktur (zentrale Mittelgesichtsfraktur) und die transversale Le-Fort-III-Fraktur, die auch als zentrolaterale Mittelgesichtsfraktur beschrieben wird mit der möglichen Entstehung eines sogenannten "Dishface". Abb. 9 verdeutlicht diese Brucharten:

LE FORT beschrieb den Oberkiefer als eine mit dem Schädel verbundene Konstruktion, die jedoch aufgrund ihrer eigenständigen Strukturen die auf sie einwirkenden Kräfte in unterschiedlicher Art und Weise ablenken konnte. Die vertikalen Kräfte wurden Richtung Hirnschädel und die lateralen Kräfte von den Wangenknochen auf die Maxilla und die Schädelbasis projiziert [37]. Aufgrund der bestehenden Schwachstellen kam es infolgedessen zum Bruch der Knochenfragmente, die im Folgenden genauer beschrieben werden:

Die Le-Fort-I-Fraktur beschreibt einen horizontalen Kieferbruch, wobei der Alveolarfortsatz des Oberkiefers vom restlichen Schädelknochen abgetrennt wird. Unter der Le-Fort-II-Fraktur wird ein Bruch des zentralen Mittelgesichtsfeldes mit einer pyramidenförmigen Oberkieferabsprengung des Oberkiefermassivs verstanden, wobei die eigentliche Bruchlinie oberhalb der Sutura frontomaxillaris entlang der unteren Orbitakante durch das Foramen infraorbitale oder nahe vorbei in der Kieferhöhle endet. Der naso-ethmoidale Block wird vom übrigen Gesichtsfeld abgetrennt. Die Le-Fort-III-Fraktur beschreibt eine vollständige Trennung des Mittelgesichts von der Schädelbasis mit einer hohen Absprengung der Maxilla im oberen Teil des Mittelgesichts [37].

In der Dysgnathiechirurgie wird für die Korrektur des skelettalen frontoffenen Bisses oder einer maxillären Retrognathie (Oberkieferrücklage) eine Osteotomie in der Le-Fort-I-Ebene durchgeführt, um dann den Oberkiefer in einer orthognathen Position zu fixieren. Lediglich zum Ausgleich von Kraniosynostosen (vorzeitige Verknöcherung der Schädelnähte) wie z.B. bei dem autosomal dominant vererbten Morbus Crouzon wird eine operative Verlagerung in der Le-Fort-III-Ebene durchgeführt.