Retrokondyläre Implantation nach Trauner

RICHARD TRAUNER (1900-1980) entwickelte zwei Verfahren in der Dysgnathiechirurgie. Das erste Verfahren war eine Operationsmethode zum Vorbringen des Unterkiefers bei Distalbiss, die bei primären und sekundären Distalbissen mit Deckbiss indiziert schien [61]. Wies der Patient in der Front eine schwere Protrusion auf, so riet TRAUNER zu einer präoperativen kieferorthopädischen Behandlung. Bei jüngeren Patienten war diese Indikation nicht zwingend notwendig, verkürzte aber die anschließende jahrelange kieferorthopädische Nachbehandlung und die daraus folgende finanzielle Belastung der Patienten.

Unter Lokalanästhesie wurden ausgehend von einem Hautschnitt entlang des Tragusrandes die Weichteile mit Rasparatorium und Skalpell vom Knorpel und Knochen präpariert, damit der Gehörgang unverletzt dargestellt werden konnte. Das Periost des knöchernen Anteils konnte so kranial bis zur Kiefergelenkskapsel und nach kaudal bis zum unteren Rand geschoben werden, wobei der Nervus facialis unversehrt blieb. Der Patient sollte nun den Unterkiefer in die gewünschte Position vorschieben, wobei sich ein Spalt öffnete, der in der Ruheposition verschlossen war und direkt in die Gelenkpfanne überging [61]. Darin wurde anschließend ein Stück Kunststoff mit zwei eingearbeiteten zwei Millimeter starken Drahtnähten fixiert.

Nach anschließendem Verschluss der Wunde wurde die vorab angefertigte Bissschiene eingegliedert, welche bei einem postoperativ seitlich offenen Biss zum Herauswachsen der Seitenzähne in diesem Bereich empfohlen wurde [61]. Die entsprechenden intermaxillären Gummizüge sollten die beiden Kieferhälften für einen postoperativen Zeitraum von ein bis zwei Wochen ruhig stellen [61]. Als nachteilig erwies sich an diesem Verfahren, dass es aufgrund der Beschaffenheit des Materials zu einer Abstoßungsreaktion kommen konnte. Auch postoperativeOhrenschmerzen oder Perforationen des Meatus acusticus, Infektionen oder Fazialisparesen zeigten sich als Komplikationen dieser Operationsmethode [61].

Das zweite von ihm publizierte Verfahren wurde bei der Progenie und bei anderen Unterkieferanomalien angewendet. Diese Operationstechnik wurde von TRAUNER und seinem Schüler HUGO OBWEGESER entwickelt (Abb. 14).

Die von RICHARD TRAUNER vorgestellten Operationsmethoden stellten zu ihrer Zeit absolute Neuheiten auf dem Gebiet der Dysgnathiechirurgie dar.