Halbinselosteotomie nach Höltje

WOLF-JOACHIM HÖLTJE entwickelte 1991 diese Operationsmethode zur Korrektur einer Retrognathie der Mandibula, einer "offenen Basalrelation", eines offenen Bisses, einer protrudierten Unterkieferfront und einer umgekehrten Spee-Kurve. In diesen speziellen Fällen sei laut Höltje "die Unterkiefervorverlagerung, verbunden mit einer anterioren Rotation" indiziert [26].

Vor der eigentlichen Operation sollten kieferorthopädische Behandlungenabgeschlossen sein, ebenso sollte eine präoperative Modelloperation im Artikulator mit anschließender Fertigung eines Splints sichergestellt werden [26]. Neben einer weitgehenden Harmonisierung der Zahnbögen sollte zwischen dem zweiten Prämolaren und dem ersten Molaren eine zwei bis drei Millimeter große Lücke geöffnet werden.

Enorme Vorteile liegen unter anderem im Ausbleiben einer inkompletten knöchernen Dehiszenz oder im Fehlen einer knöchernen Stufe am Unterkieferrand, die sich nach anteriorer Rotation bei anderen Osteotomiemethoden ergeben hatten. Zunächst sollte der Mukoperiostlappen unter Belassen eines drei bis vier Millimeter breiten Streifens marginaler Gingiva am ersten Molar abpräpariert werden. Unter Zuhilfenahme einer Stichsäge durchtrennte der Operateur den kortikalen Anteil des Alveolarknochens mit einem vertikalen Schnitt bis zu den Wurzelspitzen.

Um den N. lingualis zu schützen, wurde ein speziell entwickelter Haken eingesetzt, mit dem vestibulär eine zungenförmige Halbinselosteotomie durchgeführt wurde. Anschließend wurde über einen Drahtbogen die Mandibula restabilisiert und ferner intermaxillär fixiert. Die mukogingivalen Weichteile sollten atraumatisch vernäht werden [26]. Vorteile dieser Methode waren der breite Anwendungsbereich und die diversen Möglichkeiten zur Modifikation. HÖLTJE gab zu bedenken, dass wegen des Risikos einer möglichen Überdehnung und damit der Schädigung des Nervus alveolaris inferior nur eine maximale Vorverlagerung um sechs bis sieben Millimeter angeraten und das generelle Risiko einer Verletzung des Nervs auch bei diesem Eingriff gegeben sei [26].