Was bedeutet der Begriff Dysgnathie?

Der medizinische Fachbegriff Dysgnathie stammt aus dem griechischen Wortschatz. Die Vorsilbe "dys-" steht für "gestört, fehlerhaft" und "gnáthos" bedeutet Kiefer. Anders ausgedrückt: Es handelt sich dabei um einen Fehlbiss, der die anatomischen und funktionellen Abweichungen unseres Kauorgans umfasst.

Im Verlauf des körperlichen Wachstums, das sich ebenso auf die Entwicklung des Gesichtsschädels auswirkt, kann es aufgrund von abweichenden Wachstumsrichtungen und -geschwindigkeiten des Kauorgans zu Fehlentwicklungen der Kiefer und Zähne kommen. Es treten Form- und Lage-Anomalien auf, die sowohl Ober- als auch Unterkiefer sowie das Zahnsystem betreffen können (skelettale Dysgnathie = Kieferfehlstellung und dentale Dysgnathie = Zahnfehlstellung).

Derartige Zahn- und Kieferfehlstellungen weichen in ihrer unterschiedlichen Ausprägung von den wissenschaftlich festgesetzten Normgrößen ab. Die Spezialisten für Dysgnathie unterscheiden hierbei angeborene oder erworbene Fehlstellungen.

Wann spricht man von einer "erworbenen" Dysgnathie?

Diese Form der Dysgnathie ist unabhängig von einer genetisch bedingten Veranlagung der Patienten. Verschiedene äußere Faktoren können Auslöser einer erworbenen Zahn- und Kieferfehlstellung sein. Nachstehend nennen wir Ihnen einige Beispiele:

  • Früher Zahnverlust im Milchzahngebiss durch Karies (Zahnfäule): Auslöser für Zahnwanderungen oder -missbildungen
  • Verletzungen des Ober- und Unterkiefers
  • Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und ihre gesundheitlichen Folgen für das Kauorgan
  • "Habits" = Angewohnheiten: Ausgeprägtes Daumenlutschen oder Nutzung des Schnullers, Lippenpressen, Zähneknirschen
  • Mundatmung
  • Fehlfunktionen beim Schlucken
  • Zungenfehlfunktion, die zum Beispiel zum Lispeln führen kann.

Wann spricht man von einer angeborenen Dysgnathie?

Hierbei handelt es sich um eine erblich bedingte Zahn- oder Kieferfehlstellung, die uns schon in die Wiege gelegt wird. Sie lässt sich nicht vermeiden, jedoch haben Kieferorthopäden und -chirurgen die Möglichkeit, im Rahmen einer interdisziplinären Zusammenarbeit auch angeborene Dysgnathien fachkompetent und effizient zu behandeln.

Behandlung von Zahnfehlstellungen

Dentale Dysgnathien treten häufig auf und können bei frühzeitigem Behandlungsbeginn während des Gesichtsschädelwachstums durch den Kieferorthopäden mit Hilfe von herausnehmbaren und festen Spangen erfolgreich therapiert werden.

Behandlung von Kieferfehlstellungen

Bestimmte Dysgnathieformen - dazu zählen ausgeprägte Kieferfehlstellungen, die erhebliche Fehlfunktionen des Kauorgans verursachen und/oder das Gesichtsprofil der Patienten negativ beeinflussen, - lassen sich oftmals nur durch eine kombinierte kieferorthopädisch-kieferchirurgische Behandlung optimal therapieren.

Abhängig vom Befund können Skelett verlagernde Operationen durch einen Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen von Fall zu Fall notwendig werden. Die Dysgnathiechirurgie in unserem Kompetenzzentrum MKG in Frankfurt geht dabei Hand in Hand mit der Kieferorthopädie, denn die Kieferfehlstellungen sind meist mit Zahnfehlstellungen verbunden. Diese werden ihrerseits durch den Einsatz von kieferorthopädischen Apparaturen reguliert.